M   O   N   I   C   A        F   R   I   T   Z           ·            M    i    n    u    t    e    n    l    i    c    h    t

MINUTENLICHT
Inhaltsverzeichnis

01 Colombine (Kurzfilm)
02 Maronenpfanne
03 Terrassentheater
04 Die Hunde von Pompeji
05 Fit-Ness
06 Die Autobahn der Pakete
07 Kitz-Gefühl
08 Musenpaare
09 Cinema dans la rue
10 Die Magersucht des Sprechens
11 Krabbeldecken muß man fliehen
12 Sixty
13 Ab jetzt werden Sie immer dicker
14 Acqua Santa



Biographie
Impressum





Copyright © by Monica Fritz

Die Magersucht des Sprechens

Wir sind in einer Ausstellung, umgeben von Tönen: Arien erklingen: Norma, Tosca, Traviata...

Seltene Kostüme von den legendären Opern-inszenierungen in der Opera Paris, Covent Garden, London oder Epidaurus Griechen-land werden gezeigt.

Schlauchartige Gänge führen in einen Saal. Das Gebäude befindet sich in den Arkaden des Hofgartens. Ein dahinter liegender noch kleinere Saal mit dem Spitznamen Dunkelkammer wird als „Showroom“ mit Lichteffekten genutzt. Dazu erklingt die Arie „Casta Diva“ (keusche Göttin) aus Norma.

Callas oder die Kunst der Selbstinszenierung – so der Name der Ausstellung.

Die griechische Operndiva sang und spielte sich in die Herzen der Menschen und in ihr Gedächtnis. Sie interpretierte und entdeckte Musikstücke neu und inszenierte sogar selbst.

Ihre unverwechselbare Stimme verstörte die Menschen, so lautet der Titel des Buchs von Gunna Wendt, das gleichzeitig zur Ausstellung ` Callas oder die Kunst der Selbstinzierung’ im Theatermuseum München und das österreichische Theathermuseum in Wien entstand..

Die Kälte und das abgedunkelte Licht wegen der alten wertvollen Kostüme und Vintages verstörte vor allem die Aufsichtspersonen, die sie bewachen sollten.

Theathergöttinnen, Diven, Tänzerinnen faszinierten zu allen Zeiten . Ihr Leben gab Anlaß zu Spekulationen, war Vorbild für neue Lebensmodelle und inspirierte andere Künstler.

Pier Paolo Pasolini gab Maria Callas in seinem Film Medea die Hauptrolle, die sie bravourös verkörperte, als ihre Stimme für die Opernbühne schon zu brüchig wurde. Die Begegnung von Pasolini und Callas war wie ein Urknall. Wenige Jahre später wurde Pasolini umgebracht, der Held der Marktfrauen und Armen.

Callas starb früh an Herzversagen. Sie lebte zuletzt in Paris in der Avenue George Mandel . War sie einsam? Von ihrer großen Liebe Onassis verlassen, der Jacky heiratete. – Ironie des Schicksals – auch ihre Schwester hieß so, von ihrer Mutter mehr geliebt und angeblich hübscher als sie.

Ihr Aussehen korrigierte sie immer wieder – durch Fastenkuren. Das Gewicht hielt sie eisern, standen ihr auch alle Hilfsmittel zur Verfügung, waren ihr eiserner Wille und ihre Disziplin doch bewundernswert.

Die riesengroß geplotterten Fotofahnen zeigen beeindruckend ihren Charme, Haltung und Stil. Ein altes Familienfoto mit Eltern und Schwester auf einer Wiese wirkt in der Vergrößerung fast wie ein Gemälde.

Das Exponat eines rosefarbenen Diorkleides für private Anläße und eine Kostümliste für das Packen des Schiffskoffers –baule- mit Anmerkungen der Mailänder Modeschöpferin Elvira Biki - vom eleganten Frühstück bis zur Soiree, ergänzt mit treffenden Kommentaren der Callas auf farbigen Kostümentwürfen, geben auch einen Einblick in die Moden der Zeit und die besondere Sorgfalt beim Erproben neuer privater Rollen mit dem großen Vorbild Audrey Heppurn. Der geschwungene Lidstrich, betimmte Kostüm- und Kleiderschnitte mit den entsprechenden Hüten und Handschuhen und Schmuckaccessoires erinnern auch an Fabiola, Farah Diba und andere bekannte Frauen dieser Zeit.

Selbst an Frida Kahlo ist man von einem der Fotos wegen Zopffrisur, Ohrgehänge und Handhaltung erinnert. Schmuck in allen Varianten – mit Vorliebe Perlen - war wohl die große Schwäche der Callas. Behängt wie eine „Elster“ beschrieb sie eine italienische Journalistin bei einer gemeinsamen Reise.

Für die biederen 50er Jahre war sie trotzdem wie eine Revolutionärin. Selbst wenn eine junge Frau von heute das Vergnügen an Kreuzfahrten nicht mehr ganz nachvollziehen kann.

Die Suche nach Wahrheit und Vervollkommnung im Beruf überschatteten gewissermaßen ihre privaten Wünsche und Bestrebungen glücklich zu sein. Der Wunsch nach einem Kind blieb unerfüllt. Die Suche nach der endgültigen Partnerschaft blieb erfolglos. Sie zog sich immer mehr zurück, blieb für die Masse unfaßbar und in Geheimnisse gehüllt, von Skandalen und den Medien verfolgt.

Die vielen Fans lauschen ihren Platten und CDs . Einige besuchen ihr Grab auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris oder diese interessante Ausstellung.

Die blütenzarten, mit Honig, Tee und anderen eigentlich nicht haltbaren Materialien „gemalten“ Portraitzeichnungen des königlich wirkenden Profils der Maria Callas, angefertigt vom Regisseur der Medea während der Dreharbeiten, ergänzen diese Ausstellung in München und zeigen beeindruckend, welche Bewunderung sie allein durch ihre Ausstrahlung entfachen konnte.

Geschrieben am 14. Mai 2006 (Muttertag)


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