M   O   N   I   C   A        F   R   I   T   Z           ·            M    i    n    u    t    e    n    l    i    c    h    t

MINUTENLICHT
Inhaltsverzeichnis

01 Colombine (Kurzfilm)
02 Maronenpfanne
03 Terrassentheater
04 Die Hunde von Pompeji
05 Fit-Ness
06 Die Autobahn der Pakete
07 Kitz-Gefühl
08 Musenpaare
09 Cinema dans la rue
10 Die Magersucht des Sprechens
11 Krabbeldecken muß man fliehen
12 Sixty
13 Ab jetzt werden Sie immer dicker
14 Acqua Santa



Biographie
Impressum





Copyright © by Monica Fritz

SIXTY
Träume unter Palmen

Es war auf der Fahrt nach Süden, um ein paar Tage auszuspannen und den 60. Geburtstag von Reinhard zu feiern. Wir wollten in Noli eine kleine Pause einlegen – immerhin war die Strecke München – Cannes fast 1000 km weit.

Irgendwie fuhren wir an Noli vorbei, die Laster verdeckten oft die Sicht auf die Ortsschilder. Schließlich war es endlich soweit: ein Stück die steile, kurvenreiche Straße nach Menton hinunter, einen Parkplatz ergattern und endlich einen Halt machen.

R.´s Handy klingelte als wir gerade aus dem Auto ausstiegen. Es war ein Polizist aus München, der fragte, ob er einen Sohn Adrian hätte und nach der Bejahung, ob er ihm kürzlich ein neues Fahrrad gekauft hätte: Unser Sohn Adrian war in eine Fahrradkontrolle geraten.- „Fängt ja gut an unser Ausflug!“

Reinhards trockener Kommentar: „Es bleibt spannend!“

Wir besuchten das Musée Cocteaux und gingen über Mosaike aus Kieselsteinen. Im 1. Stock war eine Sammlung von Gemälden mit dem Zyklus: Der Fischer von Menton und das Mädchen mit dem Kopftuch. Ich versuchte schnell die Zeichnung „das tanzende Paar“ von 1958 zu kopieren.- Über eine große tanzende Eidechse aus grauen Kieseln im Bodenmosaik traten wir wieder hinaus ins Freie.

Um 8 Uhr abends Ankunft an der Croisette, Bvd. de la Source, auf der Terrasse mit Blick auf die schönsten Palmen und das Meer. Azur bleu mediterrané: Wellenrauschen, weiche Luft, das Schreien der Albatrosse, der rote Teppich ist ausgerollt...

Theatralische Ausblicke bei jeder Fahrt nach Antibes, übers Esterel-Gebirge nach St. Tropez, wo Reisegruppen an einem besonders malerischen Cap aussteigen, ihre Staffeleien auspacken und die roten Felsen malen.-

Die Stände heißen Bougie- und Handy-Plage. Man spielt Karten, geht noch einmal baden bevor der Winter kommt. Die Weihnachts-Deco ist schon in den Straßen um den Marché Provençal aufgehängt. Auf Postkarten sieht man verschneite Palmen und den Nikolaus im roten Gewand unter ihnen vorbeiradeln: „Le nouveau Nikolaus est arrivé.“

Auf Rollreklamen sieht man überall eine Frau im Catsuit mit Katzenmuster für Espresso werben.

Es erinnert irgendwie an Veruschka im Film „Blow up“ von Antonioni. Am Strand von „La Motte“ sind Dreharbeiten. Schnell weiter nach „Les Salins“ - zwei Frauen machen workouts im Wasser und an Land.

Am 21. Oktober essen wir Muscheln am Markt und gehen am Jachthafen von Antibes spazieren.

Tajine aus dem neuen rosa Topf gibt es erst zusammen mit David und Adrian in München.


Monica Fritz, Minutenlicht © 2010 Alle Rechte vorbehalten.