Acqua Santa
Über eine Anzeige in Eleonores Fax lasen wir die Beschreibung der Umgebung eines zum Verkauf dargebotenen Hauses in Lecchiore in Ligurien.
In der Nähe des Santuario Acquasanta sollen romantische Bergseen im Wald sein. Oberhalb des netten Dörfchens führt der Weg an einem Countryhouse-Hotel mit Pool und Liegestühlen und Restraurant am Abend vorbei.
Jugendliche joggen mit Handtüchern umgehängt an uns vorbei - wollen sie zu den Bergseen?
Autos mit Kennzeichen aus Tuttlingen, Freiburg und Tübingen stehen am Parkplatz. Eines ist bemalt mit einer Ankündigung eines Konzerts am Samstag,den 5. September auf der Piazza in Dolcedo: “Spätzlefresser“ Rockmusik aus Friedrichshafen - Amici di Imperia. Als O-Ton hört man, wie Instrumente angestimmt, geübt wird.
Später fragen wir eine Frau nach dem Haus; aber wir finden es nicht. Ein kleiner Weg geht den Berg hoch über dem Dorf. Sie macht eine Schlangenbewegung mit der Hand.
Mit dem Auto folgen wir einem Weg in den Wald. Die Straße wird immer enger, schlängelt sich wie eine Eidechse, steil in ein Tal hoch und wieder in eine Schlucht hinunter. Was, wenn ein Auto entgegenkommt: ein Mercedes aus Stuttgart oder ein BMW aus München?
Der Weg ist nicht mehr geteert und geht steil den Berg hoch. Wanderer begegnen uns. Eine Frau mit Tochter steht oben und winkt. Wir versuchen weiter zu fahren, halten. Sie sagt „man spricht deutsch und deutet auf unser Nummernschild.
Wir könnten weiter bis ans Ende der Gasse fahren. Da sei ein Parkplatz, wo schon ihr roter Alpha Romeo stehe und wir wenden können. Sie hatte gestern eine Reifenpanne gehabt.
„Man sitzt zweimal auf Felsen auf. Da haben wir aber schon Steine untergelegt. Da sind Gumpen im Fluß zum Baden! Wir fahren weiter. Tatsächlich ein Parkplatz!
Inzwischen sind die beiden auch an die Stelle gekommen. Sie sind aus Schongau. Der Parkplatz ist öffentlich. Sie zeigt uns, wo die größte Gumpe ist, wo wir baden können.
„Sind keine Fische drin oder Algen. Heute morgen war das Wasser noch glasklar. In der Mitte kann man nicht mehr stehen.“
Sie hat schon ihren Reifen gewechselt. Staunend frage ich: „Sie können das?“ - „Mein Mann hat wenig Zeit und meine Tochter...“
Die Tochter lächelt. Sie sind erst einen Tag hier. Sie zeigt nach oben: „Unser Haus ist dort auf den Terrassen, von einem Freund. Durch den Wald von Maroni- und andern Bäumen sieht man ein einfaches Haus, ein „rustico“, eng an den Berg geschmiegt und ausgebaut mit Terrassen im Olivenhain.
„Es hat eine Dusche mit Schiebetür .“ - Schwer zu Reinigen!“ sage ich. „Wir sind in einem sehr komfortablen Haus einer Freundin im Nachbartal. Beim Reinigen der Dusche bekam ich gestern einen Hexenschuß.“
Wir verabschieden uns, tauschen noch Tipps aus, wo man einkaufen und Cafétrinken kann. Ich empfehle das Jugendstil-Café Piccardo am Piazza Dante in Oneglia und die Boutiquen unter den Kolonnaden.
Wir baden im Acquasanta – eiskalt und unheimlich, klettern den Berg hoch und fahren zurück nach Imperia ans Meer. Dort schaukelt eine Feluke auf den Wellen.....
Ob heiliges Wasser gegen Hexenschuß hilft ?
Anmerkung: Lecchiore ist ein kleines mittelalterliches Bergdorf, welches inmitten von Olivenhainen oberhalb von Dolcedo liegt. Es ist bekannt für die Laghetti Acquasanta, deren Wasser eine heilende Wirkung nachgesagt wird. Man kann hier an kühlen Tagen schöne Wanderungen unternehmen und an heißen Tagen ein erfrischendes Bad in der warmen Sommersonne genießen.
Oberhalb dieser Seen liegt die Wallfahrtskirche aus dem 18. Jahrhundert, die der Maria dell’Acquasanta geweiht ist, da hier anhand von Überlieferungen die Madonna erschienen ist.