Die Maronenpfanne
In einem kleinen Ort in der Toskana - in Montalcino, südlich von Siena - auf einem Berg gelegen - gibt es Pfannen mit kleinen Löchern im Boden, mit denen man hervorragend Kastanien im offenen Kamin braten kann. Maronen gibt es in dieser Gegend bis hin zum Monte Amiata.
Zuletzt war ich vor zwei Jahren im November da. Es wird früh dunkel und abends, wenn nach der langen Mittagspause die Geschäfte wieder öffnen, füllen sich die Straßen und Gassen mit Menschen.
Wir hatten bereits zwei langstielige Pfannen - eine davon als Mitbringsel - gekauft und waren auf dem Weg zum Marktplatz von Montalcino.
Es gibt dort so eine Art Rundlauf, eine Hauptstraße, die an allen wichtigen Geschäften, Cafés, Post usw. vorbeiführt.
David und Adrian gingen links und rechts von mir. Die Pfannen waren in der großen Plastiktüte vom Geschäft, die schweren Eisenstiele ragten aus meiner Tüte heraus.
Wir gingen, schauten links und rechts in die Geschäfte; aber nur im Vorübergehen, denn Stehen-Bleiben langweilt die Kinder, dicht gefolgt von zwei Italienern. Plötzlich entschlossen wir uns “auf dem Absatz” umzudrehen und den Heimweg zurück zum Auto anzutreten.
Die Italiener mußten, wie Pferde, die vor sich hintraben und auf ein Hindernis stoßen, plötzlich anhalten und wären beinahe von den Stielen der Eisenpfannen aufgespießt worden!
Schon allein die Vorstellung, was passieren hätte können, löste einen heftigen Redeschwall, eine Wortkaskade in ihnen aus, von der ich nur ein paar Brocken verstand bzw. erahnte. Sie fielen im Tonfall von Bewunderung bis hin zum dramatischen Höhepunkt einer Art Entmannung.
Entschuldigungen murmelnd entfernten wir uns allmählich - am Jugendstilcafé vorbei - in Richtung Parkplatz vor der Burg, steil aufsteigend und keuchend, in der Gewißheit mal wieder einem typisch italienischen Straßentheater beigewohnt zu haben, ja vielleicht sogar mit dem entzückenden Wohlgefühl, einen Teil zu jener Stimmung in dem unbekannt-bekannten Commedia dell´Arte Stück beigetragen zu haben.