Die Hunde von Pompeij
Die Abfahrt vom Kloster war am frühen Morgen. Je weiter wir in den Süden kamen, desto mehr weitete sich die Landschaft, und links tauchte plötzlich ein großer, schwarzer Berg aus Lava, der Vesuv auf. Beim Aussteigen blies uns heiße Wüstenluft entgegen, wohl der Schirokko, der aus Marokko herüberwehte.
Die Reisegruppe hatte lange zuvor per Fax einen Reiseführer bestellt, auf den man aber lange warten mußte. Die Nachricht war offensichtlich nie angekommen oder vergessen worden.
Plötzlich waren sie da, als man irgendwo warten mußte, die hellen Hund von Pompeij, räudig, gesellten sich der Gruppe zu. Die Ersten packten schon ihre Brotzeit aus. Zwei Jungen aus der Schulklasse hatten sich am Tag zuvor Salami und Brot gekauft und schnitten jetzt Stück für Stück leckere Scheiben davon ab. Der eine erzählte dem anderen, etwas abseits der Gruppe, daß er es nicht ertragen könnte, wenn es bei seiner Freundin immer nur Salat, und kein richtiges Essen gäbe.
Die Hunde wußten offensichtlich, daß es hier immer Essen gab, und ab und zu etwas für sie abfiel. Als noch mehr Hunde auf-tauchten, die aber etwas anders aussahen, offensichtlich von einer anderen “Familie” waren, wurden diese von denen, die zuerst da waren, verjagt.
Ein Mädchen streichelte einen der häßlichen Hunde. Ein anderes wollte einen, der zu aufdringlich war, und vor dem sie sich anscheinend ekelte, vertreiben. Sie quiekte etwas und stieß einen Fluch aus.
Schließlich begann die Führung in fast unverständlichem Englisch. Wir trabten durch die Ruinenstadt, die Hunde neben uns her. Bei jedem Stop ließen sie sich auch nieder, rollten sich zur Schnecke ein, wie Hunde es machen.
Gerade konnte ich verstehen, daß man aus der Breite des Weges Rückschlüsse ziehen konnte, wie breit ein Wagen gewesen sei, und daß große Steine in der Mitte des Weges zum Drüberhüpfen bei Regen gedacht waren. Man kam an antiken Bars vorbei; die Inneneinrichtung war noch erhalten, dann die ersten Wand-malereien, die einen mit ihrer entrückten Schönheit sofort einnehmen. Und immer wieder der Troß der Hunde, das geduldige Warten und anschließende weitere Begleiten.
Schließlich gelangten wir zu dem Museumsshop mit Aschenbechern, Statuetten und allem Übrigen, kehrten in die Kantine ein, wo es sehr guten, frischen Fischsalat gab.
Dann weiter, einige leckten schon wieder Eis zum Nachtisch. Die Hunde folgten uns ins Amphietheater, wo gerade weitere Ausgrabungen stattfanden, und Japanerinnen sich unter Schirmen vor der Sonne schützten.
Der Fremdenführer forderte irgendwann sogar auf, was lose herum läge, könnte als Souvenir mitgenommen werden. Das war aber wohl mehr ein Witz, da es nur schwere Brocken oder kleine Steinchen gab.
Für die Villa dei Misterji reichte die Zeit nicht mehr, aber ein Privathaus reicher Pompejaner wurde besichtigt, in dem esauch Liebeszimmer mit entsprechenden Darstellungen gab. Vorher hatte unser Führer gefragt, wie alt die Teilnehmer seien. Am Ausgang wurde kurz gewartet, ob alle vollzählig da waren.
Die Hunde verließen uns in Richtung Eingang, so wie sie aufgetaucht waren, selbstverständlich ihrem Wandertrieb nachgehend. Der Bus wartete schon.