M   O   N   I   C   A        F   R   I   T   Z           ·            M    i    n    u    t    e    n    l    i    c    h    t

MINUTENLICHT
Inhaltsverzeichnis

01 Colombine (Kurzfilm)
02 Maronenpfanne
03 Terrassentheater
04 Die Hunde von Pompeji
05 Fit-Ness
06 Die Autobahn der Pakete
07 Kitz-Gefühl
08 Musenpaare
09 Cinema dans la rue
10 Die Magersucht des Sprechens
11 Krabbeldecken muß man fliehen
12 Sixty
13 Ab jetzt werden Sie immer dicker
14 Acqua Santa



Biographie
Impressum





Copyright © by Monica Fritz

Fit-Ness

Der Weg zum Monopteros hoch als Kind war begleitet von Tante Bertas Kommentar: “Langsam gehen, sonst schadet man dem Herzen...!” -

Der Weg zum Fitnesscenter führt vorbei an häßlichen Neubauten: Autohändler, Teppich- und Supermärkte und Billigreisebüros säumen links und rechts die Straße. An der Ecke Tomannstr. dann wie eine Fatamorgana eine Gründerzeitvilla mit Zinnen und Türmchen, Stein-figuren und Rosenbüschen im Garten mit schmiedeeisernem Zaun und einem kleinen blau gekachelten Schwimmbecken. Wer hier wohl welche Aussicht genießen wollte ?

Heute sehe ich auch ein riesiges neues Plakat von H&M an der Bushaltestelle mit zwei Jungen darauf. Der eine stützt sich lässig auf des anderen Schulter.
Heute fange ich mit Wassergymnastik an. Die dünne Lehrerin im grellgrünen Bikini kommt zu spät, dafür lädt das Center später an der Fitnessbar zu einem Energiedrink ein, der, vor dem Training genossen, die Fettzellen schneller schmelzen läßt.

Die Trainerin hat, wie es scheint, keinen Muskel am Körper; unvorstellbar wie sie die schweißtreibenden Aqua-Aerobic-Übungen gegen den Widerstand des Wassers bewältigt. Springen, Hüpfen, Schreien, Kreiseln, Twisten, Paddeln. Anschließend geht es zur Lichttherapie mit drei Farben Licht: Rot, Blau, Gelb ins Saunarium für Damen. Schön wäre es,wenn man dabei auch noch braun werden könnte.

In der nächsten Woche lerne ich im Basic-Aqua-Mix , daß man den Po ganz fest zusammenkneifen muß, “ so als hätte man einen Tausendmarkschein, den der Hintermann nicht bekommen soll “.

Früher war ich als Kind eine “Tanzmaus”; ich konnte mich nicht ruhig halten. Heute bewege ich mich zu wenig. -

In den folgenden Wochen nutze ich das Trainig im Studio so oft es geht aus : Spinning, Step, Aerobic, Fat Burner, P.-Class, etc.... Schweiß fließt. Ich lerne, was ein “Grapvine” ist. - Im Kundalini Yoga erfahren wir beim Bauchnabel - Chakra das Gefühl des Herzschlags in der Mitte, der uns helfen soll, den Weg, der gut für uns ist (“ nicht für das Ego “) zu finden.

Je öfter ich hingehe, desto mehr Spaß macht es mir. - Die Kinder auf dem Plakat kommen mir verändert vor, nicht mehr so häßlich wie am Anfang. Daran sehe ich, daß ich mich verändert habe.

Meine eigenen Kinder zu Hause fragen mich jedesmal, wie es war und ich gebe mit meinen Kraftübungen an den Fitnessgeräten und mit den Gewichtsstangen an.

Sogar das Fahren mit dem Fahrrad, bei dem ich einige Male patsch-naß vom Sommerregen zurückkomme, macht mehr Spaß.

Nachts träume ich, daß ich auf die Bühne raus muß und meinen Schuh nicht zu bekomme.

Ein andermal werde ich im Traum abgeholt. Ich wohne in einem gläsernem Boot, habe mein Oma-Tupfenkleid angezogen und der Flug geht nach New York City.

Ich bekomme ein selbstgemachtes Buch geschenkt. Als Extra dazu kleine gemalte Boote in der Tüte, die man auf den Wellen schaukeln lassen kann.


Monica Fritz, Minutenlicht © 2010 Alle Rechte vorbehalten.