Kitz-Gefühl
Es ist wie ein tiefer, freier Atemzug nach der engen, staubigen Großstadt, wenn ich in Gedanken am Hahnenkamm stehe, mit Blick von oben auf meine zwei Skispitzen, und dann weiter auf das freie Alpenpanorama. Die Fahrt beginnt auf dem Grat entlang. Auf dem Grat, wo Adrian und David ihre ersten Kurzschwünge probierten und darum kämpften, wer den anderen um eine Kopflänge überholte. Die linke Seite ist unberührt, die rechte zerfurcht von einigen wenigen Spuren im Tiefschnee. Ich wähle die leichte Variante in der Mitte, in Richtung Silberstube, und fahre in leichten Bögen bis zur Biegung am Aufstieg zum Pengelstein. In Gedanken sehe ich ein Bild Walde´s vor mir mit Hütte und Schneewächte dahinter.-
Oder im Sommer der Schwarzsee, und mit jedem Schwimmzug hinaus und weit weg vom Alltagskram, hin zu sich selbst, vor sich die schroffen Wände des wilden Kaisers. Wie schreibt man eigentlich Jet-Set? Und wer ist das? Auch andere haben den Ort für sich entdeckt, z.B. im Buch “Kitzbühel for Friends” ißt Roman Polanski auf einem Foto mit seiner Tochter (Emanuelle´s Baby) Kaiserschmarrn auf dem Sonnenbühel.
Auftanken: Das weiße Schneehuhn am Jufen habe ich lange nicht mehr gesehen, aber Spuren im Schnee. Im Frühjahr enden alle Pisten irgendwo auf einer sonnigen Terrasse, wie beim “Schroll” oder auf der Fleckalm. Hier aßen die Kinder Wiener Schnitzel. Dort fuhren wir zu viert auf dem Schlitten ins Tal. Adrian schlief dabei sogar ein. Auf Hagstein wurde viel fotografiert. Und im SB-Restaurant erinnern nur noch die schwarz-weiß Fotos von Skifahrern, mit scharfen Kontrasten im glitzernden Schnee, und die Mode von damals, an alte Zeiten.
Als Anfänger fuhren wir buchstäblich bis wir nicht mehr konnten. Im Schlamm oder im Kuhfladen endete die Abfahrt im Frühjahr, wenn es zum Bremsen nicht mehr reichte, und es war peinlich, wenn man noch mit dem Bus zurückfahren mußte. Alles weil ich Mutti nicht das Zeichen gegeben hatte, auf das sie gewartet hatte, wo die Piste im März zu Ende war.
Zum Tiroler Abend gehen wir nicht mehr. Aber wir holen uns die besten Apfelstrudel vom Praxmeier, oder essen zum Frühstück Sachertorte in Hochbrunn. “Macht es euch schön!” pflegte mein Bruder Bernd immer zu sagen.
Der Stau fängt jetzt schon oft hinter München an, und bei der Rückkehr frieren wir auf unseren Runden vor den Schaufenstern der Hinterstadt, weil die Kinder noch den neuen James Bond anschauen wollten, und in Haidhausen finden wir dann keinen Parkplatz.
Das ist das Kitz-Gefühl!