Cinema dans la Rue
Geräumiges Studio in der Stadt an der Engelsbucht, nur neun Minuten zum Strand ... , hieß es im Exposé zu der Ferienwohnung.
Aus den neun Minuten ließen sich leicht fünf machen, wenn da nicht zwei Schnellstraßen wären, vor deren Ampel man jeweils zwei Minuten warten müsste.
Schnell hatte ich gemerkt, dass die Kinder jetzt keine Kinder mehr waren. - In München war mir das nicht so aufgefallen wie hier.
Auf dem Weg von der Rue Mont Rabeau hetzte ich hinter drei großen Männern her, die riesige Schritte machten. Für mich war keine Zeit, die Belle Epoque Villen in der ruhigen Straße zu bewundern. Später wurde ich dann in die Mitte genommen oder hatte jeweils einen Begleiter.
Einkaufen gingen wir auch öfters zu zweit; Adrian suchte mit mir zusammen Obst und Gemüse aus. Milch und Cola musste auch eingekauft werden.
An der Ecke der Avenue de Californie standen wir wieder an der Ampel, als eine Frau mittleren Alters aus dem Eckhaus kam, in der Hand ihr Handy, um die Ecke bog und wild gestikulierend und laut redend die Straße weg ging...
Ein älterer Herr kam gerade vorbei, sah die Frau und unseren erstaunten Blicke. " C'est comme cinéma dans la rue ", kommentierte er trocken .-
Der Weg zum Strand wurde zum täglichen Alltagsritual.
Nach der Unterführung mit dem Taubendreck, erwartete rechts der Clochard, der einen Schäferhund als gutmütigen Begleiter hatte, die Rotphase der Ampel - für ihn Zeit die Autos entlang zu gehen und um einen kleinen Beitrag zu bitten.
Er lächelte und grüßte freundlich - eben französisches
savoir vivre.
Am Meer waren die Plätze in der ersten Reihe schon fast besetzt, nur eine Lücke neben dem Felsen noch frei. Später stellte sich heraus, dass das wohl der Stammplatz einiger Rentner war.
Der Hund einer Dunkelhaarigen, die wohl einmal eine Schönheit gewesen sein musste, wie ich später hörte, umkreiste uns und kam immer näher an die Badelaken heran, bis man fast dachte, er setzte sich gleich dazu.
Dazwischen kläffte er, wenn sein Frauchen im Wasser kraulte und schüttelte sich immer wieder.
Die erste Qualle tauchte auf.
Von der Hitze und vom Baden müde, packten wir unsere Sachen und planten für den Nachmittag einen Besuch im Museé Matisse oder L' Art Moderne / Villa Tompson. Danach gingen wir Socca Essen bei Pilha Leva oder zum Maison de la Pizza: Menue avec Boisson.
Morgens, mittags und abends ist die Promenade des Anglais Schauplatz Nizzaer Aktivitäten: Jogging, Trottinettes... einmal - eine Demo mit Polizei und Hupkonzert. Gegen zu hohe Benzinpreise. Schließlich gibt es tatsächlich kein Benzin mehr.
In St.Paul de Vence stehen wir auf einem Abschleppparkplatz.
Bei der Rückfahrt Staus und erst in Imperia wieder Benzin!
Als Fundstücke und zur Erinnerung bleiben die runden grauen Steine und gemusterten Kachelstücke vom Strand und der schwarze bestickte Kimono aus dem Sperrmüll.
Wir tanken und sind happy.